Zwischen Opferdiskurs und Romantisierung

Tina Bopp

aus Debatte Nr. 21 – Sommer 2012

Konservativ-feministische Kreise bekämpfen Sexarbeit als Gewalt gegen Frauen und stellen somit das Selbstbestimmungsrecht und die Autonomie der Sexarbeiter_innen in Frage. Mit ihrer Überbetonung der Gefahr des Menschenhandelns schüren sie zudem eine Antimigrationshaltung. Die Autorin Laura Agustín ist aktuell eine wichtige und prägende Stimme im Gegendiskurs, läuft jedoch selbst Gefahr zu romantisieren.

«Nicht alle empfinden das gleiche über Sex: Diese einfache Idee ist die Basis von dem, was ich sagen will.» So lauten Laura Agustíns Abschlussworte in einem Interview. Laura Agustíns schreibt gegen «Fundamentalistinnen» unter den Feministinnen, weil diese von einer Essenz aller biologischen Frauen über alle kulturellen und sozialen Grenzen hinweg ausgehen: «nämlich Opfer der männlichen, sexuellen Gewalt zu sein. Frauen sind für sie generell Opfer und Prostituierte ganz besonders. Prostitution heisst für diese Art Feministinnen Vergewaltigung und also müssen die Prostituierten gerettet werden.» 

Für Agustín ist Sex zu verkaufen eine Arbeit wie jede andere auch. Schliesslich sei doch heute alles käuflich: «Ein Psychotherapeut verkauft seine Sensibilität, ein Kindermädchen seine Zärtlichkeit. Deswegen nehmen wir nicht an, dass sie zu seelischen Krüppeln werden.» Damit stellt sie sich gegen das eindimensionale Bild von armen Migrant_innen, die nur Not nach Europa treibt. Es sei genauso Abenteuerlust und eine individuelle Auffassung von Arbeit, Sexualität und ihrer Zukunft.

Agustín zufolge würde wohl auch Alice Schwarzer, die wohl bekannteste deutsche Feministin, zu den erwähnten «Fundamentalistinnen» zählen. Schwarzers politischer Kampf gegen die Prostitution und die Pornografie stösst hingegen bei den «Betroffenen» selbst auf Kritik. Als sie in einer Rede 2008 dazu aufrief «nicht die Augen vor Zwangsprostitution und der Not der Frauen in diesem Job zu verschließen. [Denn] wer dies tue, zeige eine neue Kaltherzigkeit», protestierten Anhänger_innen des Vereins für soziale und politische Rechte von Prostituierten gegen das von Schwarzer propagierte Bild der Prostituieren, welches sie «durch die ständige Verbindung mit Gewalt und Kriminalität in den Dreck [zieht].»

maggies

Arbeitsrechte für Sexworkers

«Sexarbeit ist Arbeit» fordern hingegen andere. So z.B. die 40. Fachtagung Prostitution, die 2009 in Dortmund unter der Beteiligung von Sexarbeiter_innen, Mitarbeiter_innen verschiedener Beratungsstellen, Vertreter_innen der Gesundheitsämter sowie einer Vertreterin der Gewerkschaft ver.di und geladenen Referent_innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz stattfand. In ihrer Presseerklärung lehnen sie z.B. die Zwangsuntersuchungen für «Prostituierte» in Österreich und der Schweiz ab. In Deutschland findet diese «diskriminierende Untersuchung» nicht mehr statt. Eine andere Forderung ist die der gewerkschaftlichen Unterstützung der Sexarbeiter_innen. Weder in Österreich noch in der Schweiz sind Gewerkschaften zur Aufnahme und Vertretung von Sexarbeiter_innen bereit. In Deutschland hingegen können sich Sexarbeiter_innen sowohl als Angestellte als auch als Selbständige organisieren und sich in ihren Arbeitsrechten vertreten lassen. Ein weiteres Thema ist der Kondomgebrauch, der selbstverständlich werden muss, aber durch Massnahmen der Aufklärung und nicht durch Ermittlungsparagraphen.

Trafficking-Diskurs

Der Diskurs um «Trafficking» (Menschenhandel) ist in den letzten 10 Jahren in Europa gewachsen, als eine Art Trend, sich auf transnationale Verbrecher zu konzentrieren. Gleichzeitig handelt es sich dabei um einen Diskurs um Bürger_innenschutz, dessen praktische Umsetzung sich laut Agustin immer wieder der Idee der Fortress Europe (Festung Europa) ermächtigt, um sich gegen die «Invasion von aussen» zu verteidigen. Dabei bezieht sich der Diskurs auf hypothetische Organisationen, die Migrant_innen versklaven sollen. Die CATW (Coalition Against Trafficking in Women) und die europäische Frauenlobby sehen die Frauen dabei als Opfer, die nicht in der Lage sind, sich selbst zu verteidigen. So wird immer wieder auf Frauen verwiesen, die aus armen Lebensbedingungen nach Europa kommen um Geld zu verdienen und dadurch die Situation ihrer Familie zu verbessern, dann aber gegen ihren Willen nicht ausreisen können, weil sie die entstandenen «Unkosten» abbezahlen müssen und in eine Situation geraten, in der sie keinerlei Kontrolle über ihre Arbeitszeit, Arbeitsverhältnisse und Tätigkeiten (Art von Sex oder Anzahl Kunden) haben.

Das Problem des Opfer-Subjekts

Das Problem, so Agustín, ist die Reduzierung der Sexarbeiterin auf ein passives Objekt der Handlungen anderer. Das Subjekt, um das es dabei geht, wird irrelevant. Den «Helfer_innen» wird dabei die zentrale Rolle zugeschrieben. Dies wird sodann zu einer «imperialistischen Intervention» gegenüber dem Leben dieser Frauen. Diskurse werden von First-World Bürger_innen geführt, Migrant_innen selbst kommen nie zu Wort. Das potenzielle Wachstum an «Antitrafficking»-Argumenten geht als Kehrseite und Konsequenz einher mit Anti-Migrationspolitiken. Wenn nämlich Frauen gegen ihren Willen nach Europa kommen, dann hat man gute Gründe, sie wieder zu deportieren.

The «Sex-Work» Proposal

Migrant_innen finden heute vor allem drei Möglichkeiten der Arbeit vor. Entweder in der Hausarbeit, der Pflege von Kindern und pflegebedürftigen Menschen oder in der Sexarbeit. All das subsumiert Agustín unter dem Begriff service jobs. Diejenigen, die es Prostitution nennen, anerkennen es nicht als Arbeit; d. h. dass sexueller Kontakt sich grundsätzlich zu unterscheiden scheint von allen anderen sozialen Beziehungen. Sie reduzieren sexuellen Kommerz darauf, nur Sex zu sein. Tatsächlich stellt das, was allgemein unter Sex verstanden wird, nur einen kleinen Teil der gesamten Zeit dar, den die Klienten mit den Frauen verbringen. Die Pro-Sexarbeit-Seite setzt sich dafür ein, Sexarbeit offiziell als Arbeit anzuerkennen. Freiwillig arbeitende Frauen sollen mehr Rechte erhalten, Aussteigerinnen sollen ebenfalls unterstützt werden. Diese Position betont das Recht auf Mobilität und Migration und versucht, den Opferdiskursen entgegenzuwirken.

Die Legalisierung und Institutionalisierung der Sexarbeit hat laut Agustín vor allem den Vorteil, dass sie die Situation der Arbeiter_innen verbessern würde. Die Einführung von Steuern und Lizenzen im Sexgewerbe könnte dazu beitragen, bessere Gesundheitsversorgung und Sicherheitsregelungen umzusetzen sowie das Arbeitsrecht geltend zu machen. Mit dem Bezug auf den ökonomischen Sektor und der damit einhergehenden Deklaration als Sexindustrie wären viele Jobs wie «Prostitution», Arbeiten in einer Bar, im Club, zu Hause, Telefonsex usw. mitgedacht. Dies macht Agustín zufolge durchaus Sinn. Die einen sehen Sexverkauf als eine Art Therapie, andere sehen den Job analog zur Fliessbandarbeit und können nicht nachvollziehen, warum Sex mit Liebe zusammenhängen muss und bevorzugen die Sexarbeit gegenüber anderer Tätigkeiten. Die Vertreter_innen dieses Konzepts glauben, dass eine formelle Industrie die Selbstorganisation unter den Frauen fördert und sich Assoziationen besser bilden können.

Zwar begrüssen viele der Sexarbeiter_innen diesen Vorschlag, doch die Kehrseite einer solchen Umsetzung zeigt sich z.B. in den Niederlanden, wo sich die Legalisierung der Sexarbeit derzeit normalisiert. Illegale Migrant_innen werden hiervon jedoch ausge-schlossen und dürfen sich nicht um Arbeitsbewilligungen für Sexarbeit bewerben. Tatsächlich hat sich vor einigen Jahren gezeigt, dass just ab dem Moment, als Sexarbeit legalisiert wurde und eine gesellschaftliche Aufwertung sowie Regulierung stattfand, Migrant_innen in diesen Bereichen weniger toleriert wurden als vorher. Regularisierte Migrant_innen werden in der Sexindustrie nämlich als ein Problem gesehen, da sie die Preise drücken. So entstand eine Diskussion darüber, dass migrantische Sexarbeiter_innen weniger professionell arbeiten würden als Europäer_innen und in informellen Netzwerken oder illegale Aktivitäten involviert seien.

Gefangene einer rechtlosen Zone

Migrant_innen ohne Aufenthaltsstatus kommen oft mit Touristenvisa oder gefälschten Papieren nach Europa, im vollen Bewusstsein darüber, dass sie sich «illegal» im jeweiligen Land aufhalten werden. Sie als Opfer darstellen ändert nichts an ihrer Situation, so Agustín, eine Institutionalisierung von Sexarbeit aber auch nicht. Sexarbeiter_innen tendieren dazu, keinen Migrant_innennetzwerken beizutreten, nicht zu demonstrieren oder sich nicht fest niederzulassen. Viele der Migrant_innenvereine bestehen hauptsächlich aus Männern und Personen mit einem legalen Aufenthaltsstatus. Illegale Sexarbeiter_innen hingegen nehmen keinen Kontakt zu Netzwerken auf, die ihnen z.B. helfen könnten, an andere Arbeitsfelder ranzukommen. Das führt dazu, dass viele Stimmen, die sich für die Rechte der Sexarbeiter_innen einsetzen, weder Sexarbeiter_innen selbst, geschweige denn Migrant_innen sind.

Stimmen der Marginalisierten

Agustíns Hauptbezugspunkt in der Auseinandersetzung mit Sexarbeit ist die Migration. In ihrer Arbeit plädiert sie dafür, dass Wissenschaftler_innen in allen Forschungsbereichen, in denen es um Migration geht, aber auch in Globalisierungsfragen usw., Sexarbeiter_innen mitdenken und diese in ihre Analyse einbinden müssen. Die verschiedenen Bereiche der illegalen Arbeit, die von Männern und Frauen verrichtet werden, stehen in ihrer Bedeutung im Widerspruch zur steigenden Anti-Migrationspolitik. Die Frage «des Helfens» muss Agustín zufolge unbedingt neu gedacht werden.

Fazit und Kritik

Agustíns Überlegungen und Interventionen sind überaus fruchtbar, um eine breite Debatte zu führen. Wichtig scheinen dabei Überlegungen zu sein, weshalb Sexarbeit moralisch als eine derart andere Art von Arbeit bewertet und im Zuge dessen abgewertet und diskreditiert wird, und wie diese Vorstellungen mit westlich-christlichen Sozialisationen zusammenhängen. Ihre Kritik an den «feministischen» Helfer_innen in NGOs und an anderen Frauen mit verschiedenen Motivationen, die oft eine paternalistische Haltung einnehmen, halte ich für gerechtfertigt. Allerdings erschöpfen sich Agustíns Argumente grösstenteils in der eben erwähnten Kritik und bleiben unzureichend, insofern sie sich stark auf ein Positiv-Setzen der Migrations- und Sexarbeitsdebatte konzentrieren. Ihre Herangehensweise hinkt in einigen Momenten ihrem emanzipatorischen Anspruch hinterher und erzeugt so eine Romantisierung des Sexgewerbes und der Migration.

In diesem Kontext verorte ich z.B. die Aussage: «Ein Psychotherapeut verkauft seine Sensibilität, ein Kindermädchen seine Zärtlichkeit. Deswegen nehmen wir nicht an, dass sie zu seelischen Krüppeln werden.» Der Tatsache, dass Sexarbeiter_innen oft unter Depressionen leiden, Opfer von Gewalt und Missbrauch werden, lässt sich mit dem Vorwurf einer paternalistischen oder gar «imperialistischen» Sicht nicht entgegnen.

Agustíns Argumentation droht darin zu münden, sämtliche Kritik an der Sexindustrie als bevormundend oder gar imperialistisch darzustellen. Dabei wäre eine Kritik der Arbeits- und Lebensverhältnisse der Sexarbeiter_innen in ihrem gesamtgesellschaftlichen Kontext ebenso legitim wie die Kritik an anderen Arbeitsbereichen.

Auch der Versuch, ein Gegenbild zur eindimensionalen Beschreibung von «armen Migrant_innen, die nur Not nach Europa treibt» zu zeichnen, scheitert. Selbstverständlich sind Sexarbeiter_innen wie alle Menschen autonome Subjekte ihrer eigenen Geschichte sowie handlungsfähige und aktive Mitgestalter_innen ihrer jeweiligen Lebensrealitäten. Dennoch müsste erwähnt werden, dass es sich bei dieser Form von Arbeit um ein Phänomen handelt, das stark von staatlich-repressiven Regulierungsregimen abhängig ist. Die «Regulierung» der Migration, namentlich die restriktiven Aufenthaltsbestimmungen, der mangelnde Schutz der Arbeiter_innenrechte, die Illegalisierung und die zahlreichen Repressionsinstrumente schwächen die Position der Sexarbeiter_innen massiv und schränken die von Agustín konstatierte Selbstbestimmungsmöglichkeit ein.

Nachvollziehbar, wenn eine Frau erklärt, dass sie lieber für 400 Euro Sexarbeit betreibt als für monatliche 77 Euro in einer Schuhfabrik arbeiten zu gehen. Doch genau hier liegt eben der entscheidende Punkt: Es ist nicht das gleiche, ob «ein Psychotherapeut seine Sensibilität verkauft» oder ein Mensch Sexarbeit leistet. Allen individuellen Betätigungspräferenzen, die hier unbedingt ihren Platz haben müssen, zum Trotz, gibt es einen unbestreitbaren Zusammenhang zwischen denen, die Sexarbeit leisten und dem sozialen Kontext, aus dem sie kommen. Es geht hierbei um den Grad der Wahlmöglichkeiten, die Menschen haben, einen Beruf ausüben zu können oder nicht; und nicht darum, ob es eine «autonome» Entscheidung darstellt, zwischen der Arbeit in einer Fabrik oder im Sexgewerbe zu wählen, was beides gleichermassen eine prekarisierte Arbeit darstellt. Im Gegensatz zum Psychotherapeut nämlich gibt es eine soziale Realität, die die Entscheidungsmöglichkeiten derer beschneidet, die eben nicht zufällig aus Lateinamerika, dem ehemaligen Ostblock usw. kommen, um im Care-Bereich, dem Bausektor, der Landwirtschaft usw. zu arbeiten. Agustín zu Folge ändere es wenig an der Realität, solche und ähnliche Feststellungen zu machen. Damit verpasst sie es aber, auf gesamtgesellschaftliche Zusammenhänge als zentrale Elemente zu verweisen und zeichnet dadurch ein romantisierendes und banalisierendes Bild der Migration, die aus lauter Abenteuerlust stattfinden soll, um einen so genannten Antiopferdiskurs zu führen.

Wenn es um den Grad der Autonomie geht, so wäre dies verbunden mit einer Auseinandersetzung mit Abhängigkeitsverhältnissen sowie mit dem Grad an Wahl- und Selbstbestimmungsmöglichkeiten, das eigene Leben zu gestalten (Organisation der Produktions- und Reproduktionsarbeit, künstlerische, intellektuelle usw. Betätigungen). Schliesslich kann dies nicht abgekoppelt von einer Analyse der vorherrschenden sexistischen, rassistischen und kapitalistischen sozialen Verhältnisse betrachtet werden. Auch muss es darum gehen, die Migrationspolitik ins Zentrum der Auseinandersetzungen zu stellen und die damit einhergehenden Probleme zu schildern. Dies – und das scheint mir zentral zu sein – mit der Feststellung, dass die Menschen ihre Geschichte selbst machen, aber nicht immer aus freien Stücken, d.h. dass Handlungen eine gesellschaftliche Realität widerspiegeln.

Laura Agustin

Laura Maria Agustin

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Laura María Agustín

Die Wissenschaftlerin und befasst sich mit den Bereichen illegalisierte Migration, informeller Arbeitsmarkt, Menschenhandel und Sexindustrie. Auf ihrem Blog www.lauraaugustin.com publiziert sie unter der Bezeichnung «The Naked Anthropologist» (Die nackte Anthropologin) und setzt sich kritisch mit der Vermischung von Sexarbeit und Menschenhandel auseinander.

Agustín hat jahrelang partizipative Forschungsarbeit zum Thema Sexarbeit und Migration an der mexikanisch-amerikanischen Grenze sowie in der Karibik, Südamerika und Europa betrieben. 2004 erhielt sie einen Doktortitel in Kulturelle Studien und Soziologie an der freien Universität Grossbritanniens.

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Sexarbeit in der Schweiz

Die Aidshilfe Schweiz spricht von 14‘000 Frauen, NGOs schätzen, dass es bis zu 25‘000 Sexarbeiterinnen in der Schweiz gibt. Migrantinnen machen je nach Schätzung einen Anteil von 75 bis 90 Prozent aus. Im Kanton Bern wird die Anzahl an Prostituierten auf  1800 bis 3000 geschätzt, in Luzern sollen es rund 400 Sexarbeiterinnen sein. Die Stadt Zürich hat im Jahr 2009 rund 3700 Sexarbeiterinnen registriert. Die Zahl der Neueinsteigerinnen stieg von 600 im Vorjahr auf fast 800 im Jahr 2009. Vor allem aus den neuen EU-Ländern (Estland, Lettland, Litauen, Polen, Slowenien, Slowakische Republik, Tschechische Republik, Rumänien und Bulgarien) war eine grosse Zunahme zu verzeichnen (450 Frauen).

Von 350‘000 Männern ist die Rede, die wenigstens einmal im Jahr Freier sind, das heisst, jeder fünfte Mann in der Schweiz zwischen 20 und 65 Jahren.

Quelle: Rundbrief 46 der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration, Mai 2010. www.fiz-info.ch

 

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Das Berner Prostitutionsgesetz

Mit dem Inkrafttreten des neuen Prostitutionsgsesetzes in der Stadt Bern wird die sogenannte Sittenwidrigkeit für die Prostitution zumindest auf städtischer Ebene aufgehoben.

Nach geltender Praxis des Bundesgerichts sind Verträge im Prostitutionsgewerbe nach wie vor sittenwidrig. Prostituierte können also den ihnen zustehenden Lohn vom Freier nicht gerichtlich einfordern.

Prostituierte sind zwar als Gewerbetreibende anerkannt und dürften beispielsweise Steuern zahlen, zugleich werden ihnen aber elementare Rechte vorenthalten.

Das neue Gesetz ermöglicht auch die unselbstständige Sexarbeit. Sexarbeiter_innen werden fortan also als Angestellte anerkannt, was ihnen auch ermöglicht, Sozialversicherungsansprüche geltend zu machen oder im Falle von Konflikten vor ein Arbeitsgericht zu gehen.

Illegalisierte Migrant_innen, die ein reguläres Arbeitsverhältnis umgehen (müssen), werden von dieser bescheidenen Verbesserung natürlich nicht profitieren können.

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