Editorial aus Debatte Nr. 24 – Frühling 2013

Das Schweizerische Rote Kreuz reduziert die Lieferungen von Blutkonserven nach Griechenland (NZZ 25.2.2013). Weil Rechnungen nicht bezahlt wurden. Von den bisherigen 30’000 Konserven sollen nur noch die Hälfte geliefert werden. Dafür soll die «Spendeninfrastruktur in Griechenland» verbessert werden. Derweil fehlen in Griechenland nicht nur Impfstoffe für Kinder. Die Spardiktate der sogenannten Troika (EU-Kommission, Europäische Zentralbank und Internationaler Währungsfonds) treffen auch das griechische Gesundheitswesen im Kern. Wenn in Griechenland an Sozialabbau vorexerziert wird, was auch anderen Gesellschaften blüht, so entstehen dort auch Initiativen von unten, die ebenfalls Potenzial zur Vervielfachung haben.

Gesundheit, dieses menschliche Grundbedürfnis, ist überall ein umkämpftes Feld. In der Schweiz bestimmen weitgehend die Privatinteressen der Krankenversicherer, welche Leistungen für wen zugänglich sind. Der Kostenanteil, der von der Bevölkerung direkt bezahlt wird, ist enorm hoch. In Griechenland überlässt man einen steigenden Teil der verarmten Bevölkerung seinem Schicksal. Wer Medikamente und Behandlungen nicht selber und im Voraus berappen kann, hat keinen Zugang mehr zur offiziellen Gesundheitsversorgung.
Jedoch ist ein ganzes Netzwerk entstanden, das Mittellose kostenlos behandelt. In einer kollektiven Anstrengung übt das medizinische Personal Solidarität. Und gibt damit ein Beispiel dafür, dass Gesundheit jenseits von Markt, «Selbstverantwortung» und Selektion funktionieren kann.

Die Redaktion

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