Editorial aus Debatte Nr. 21 – Sommer 2012

Im Mai legten die Tänzerinnen des berühmten Pariser Striplokals «Crazy Horse» die Arbeit nie-der. Sie liessen zwei Abende lang die Show ausfallen. Dann lenkten die Besitzer ein und gewährten die verlangte Lohnerhöhung von 15 Prozent. Die Frauen hatten die Unterstützung der Gewerk-schaft der Bühnenkünste. Dieser Streik erregte einiges Aufsehen und stiess dabei kaum auf mehr Ablehnung als andere Aktionen von Lohnabhängigen, die für ihre Arbeitsrechte einstehen.

Welches Echo hätte aber eine solche Aktion in einem Betrieb gehabt, der sich nicht auf erotisches Licht- und Nacktspektakel beschränken würde, sondern klar der Sexarbeit zuzuordnen wäre?

Im französischen feministischen Nachschlagewerk «Dictionnaire critique du féminisme» hat Prostitution als einziges Thema zwei Einträge. Der erste behandelt das Thema als «organisierte kommerzielle, nationale und internationale sexuelle Ausbeutung» und steht für die Bekämpfung und das Verbot der Prostitution ein. Währenddessen spricht der zweite Eintrag die politische Stimme der organisierten Sexarbeiterinnen an, die zeitwei-se zu vernehmen ist und war, und fordert Solidari-tät und arbeitsrechtliche Besserstellung.

Diese konträre Behandlung der Prostitution in einem Buch engagierter Wissenschaftlerinnen zeigt die Spaltung der feministischen Haltungen bezüglich Sexarbeit auf. Unter anderem auf diese Frage gehen wir im Schwerpunkt dieser Nummer der Debatte ein, die im Weiteren auch die Lage der irregulären Migrant_innen in der Hausarbeit beleuchtet.

Die Redaktion

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