Abschied von den Avantgarden (II)

Rainer Thomann*

aus Debatte Nr. 24 – Frühling 2014

Im ersten Teil dieses Aufsatzes wurde aufgezeigt, dass das hauptsächlich von Lenin entwickelte Avantgarde-Konzept seinen Ursprung in den revolutionären Geheimbünden des 19. Jahrhunderts hatte, die in der jakobinischen Tradition der Französischen Revolution standen. Unabhängig von ihrer ideologischen Strömung verfochten sie allesamt die Idee der Machtergreifung durch eine konspirative Minderheit, die anschliessend eine Diktatur im Interesse der Mehrheit ausübt. (Red.)

Im vorliegenden zweiten Teil geht es um das Verhältnis der Avantgarden zu den revolutionären Machtorganen, die jeweils von der proletarischen Bewegung selbst geschaffen wurden: den Arbeiter- und Soldatenräten sowie den Fabrikkomitees, wie sie als Erstes in Russland entstanden. Zum 20. Jahrestag der Pariser Kommune schrieb Friedrich Engels im Jahre 1891: «Der sozialdemokratische Philister ist neuerdings wieder in heilsamen Schrecken geraten bei dem Wort: Diktatur des Proletariats. Nun gut, ihr Herren, wollt ihr wissen, wie diese Diktatur aussieht: Seht euch die Pariser Kommune an. Das war die Diktatur des Proletariats.»1

Die Bedeutung der Pariser Kommune

Die eigentliche Bedeutung der Pariser Kommune bestand darin, dass – als etwas Neues in der Geschichte – die Arbeiter ihre Befreiung in die eigenen Hände nahmen und «als einfache Arbeiter zum erstenmal es wagten, das Regierungsprivilegium ihrer ‚natürlichen Obern’, der Besitzenden, anzutasten, und, unter Umständen von beispielloser Schwierigkeit, ihre Arbeit bescheiden, gewissenhaft und wirksam verrichteten», wie Marx feststellte. Er bezeichnete die Kommune darum als «das Resultat des Kampfes der hervorbringenden gegen die aneignende Klasse, die endlich entdeckte politische Form, unter der die ökonomische Befreiung der Arbeit sich vollziehen konnte.» Er sah sie als Hebel, «um die ökonomischen Grundlagen umzustürzen, auf denen der Bestand der Klassen und damit der Klassenherrschaft ruht. Einmal die Arbeit emanzipiert, so wird jeder Mensch ein Arbeiter, und produktive Arbeit hört auf, eine Klasseneigenschaft zu sein.»2
Insbesondere habe die Kommune den Beweis geliefert, dass die Arbeiterklasse «nicht die fertige Staatsmaschinerie einfach in Besitz nehmen und diese für ihre eigenen Zwecke in Bewegung setzen» könne. Die aus den Zeiten der absoluten Monarchie stammende «zentralisierte Staatsmacht, mit ihren allgegenwärtigen Organen – stehende Armee, Polizei, Bürokratie, Geistlichkeit, Richterstand, Organe, geschaffen nach dem Plan einer systematischen und hierarchischen Teilung der Arbeit» habe zunehmend «den Charakter einer öffentlichen Gewalt zur Unterdrückung der Arbeiterklasse, einer Maschine der Klassenherrschaft» angenommen. Bereits die Revolution von 1848 habe der Arbeiterklasse vor Augen geführt, «dass die ‚soziale Republik’ weiter nichts bedeute, als ihre soziale Unterdrückung durch die Republik».3

Louise Michel, eine der wichtigsten Kämpferinnen der Pariser Kommune.

Louise Michel, eine der wichtigsten Kämpferinnen der Pariser Kommune.

Die Rolle der Sowjets 1905 und 1917

Der Aufstand der russischen Arbeiterinnen und Arbeiter von 1905 – spontan aufgeflammt und in Windeseile ausgeweitet – war die erste revolutionäre Erhebung der Arbeiterklasse seit der Pariser Kommune von 1871. Er zeichnete sich vor allem durch eine neue Organisationsform aus: die Arbeiter-Delegiertenräte, die sog. Sowjets, die an zahlreichen Orten gebildet wurden. Der bedeutendste davon war der Petersburger Sowjet. Trotzki, der sich bei der Spaltung 1903 auf die Seite der Menschewiki gestellt hatte, charakterisierte dessen organisatorische Form: Er sei entstanden aus dem Bedürfnis «nach einer Organisation, die die Autorität darstellen könnte, ohne Traditionen zu haben, einer Organisation, die mit einem Male die zerstreuten, nach Hunderttausenden zählenden Massen umfassen könnte, ohne ihnen viele organisatorische Hemmungen aufzuerlegen, nach einer Organisation, die die revolutionären Strömungen innerhalb des Proletariats vereinigen, die einer Initiative fähig und automatisch sich selbst kontrollieren könnte und, was die Hauptsache ist, einer Organisation, die man innerhalb 24 Stunden ins Leben rufen könnte». Die revolutionären Parteien – die Organisationen der Sozialdemokraten (Menschewiki und Bolschewiki) und jene der Sozialrevolutionäre – wären dazu allein schon deshalb nicht fähig gewesen, weil sie ihre Tätigkeit im konspirativen Untergrund ausüben mussten. Hauptsächlich aber waren es die Rivalitäten zwischen Menschewiki und Bolschewiki sowie zwischen diesen und den Sozialrevolutionären, welche die Schaffung einer parteilosen Organisation «absolut unentbehrlich» machten.4
Anfänglich standen die Bolschewiki dem Arbeiter-Delegiertenrat durchaus wohlwollend gegenüber. Als er aber auch nach Beendigung des Oktoberstreiks bestehen blieb und sich zu einem über den Parteien stehenden, politischen Führungsorgan der Petersburger Arbeiterschaft entwickelte, bekämpften sie seine Existenz, «da parteilose Organisationen nach der Art des Rates keinen klaren proletarischen Kurs steuern könnten und daher schädlich seien».5 Lenin wandte sich gegen diese engstirnige Auffassung seiner Parteigenossen. Es sei falsch, vom Sowjet das Bekenntnis zu einem bestimmten Parteiprogramm zu verlangen. Unter gewissen Umständen müssten die Bolschewiki sogar mit den «unaufgeklärten Proletariern» zusammengehen.6 Geradezu ominös für die spätere Entwicklung sind seine folgenden Sätze: «Die Arbeiterdeputiertenräte und ihre Vereinigung sind notwendig für den Sieg des Aufstandes. Der siegreiche Aufstand wird notwendigerweise andere Organe bilden.»7
Im Unterschied zu 1905 stand der im März 1917 gebildete Petersburger Sowjet von Anfang an unter einem starken Einfluss der sozialistischen Parteien. Die entscheidenden Posten waren von Intellektuellen besetzt, nur 7 von 42 Mitgliedern des Exekutivkomitees waren Arbeiter. Im Gegensatz zu den wesentlich parteilosen Räten von 1905 entwickelten sich die Sowjets von 1917 bald einmal zu Kampfplätzen der verschiedenen politischen Richtungen. Die Petersburger Sowjetexekutive verselbständigte sich zusehends, auch wenn die Deputierten nach wie vor das Recht hatten sie abzuwählen.8

Die Vendôme-Säule, im Auftrag Napoleons als Siegessäule erbaut, wird 1871 von den Aktivisten der Pariser Kommune gestürzt.

Die Vendôme-Säule, im Auftrag Napoleons als Siegessäule erbaut, wird 1871 von den Aktivisten der Pariser Kommune gestürzt.

Fabrikkomitees im Kampf gegen das Kapital

Mit der Februarrevolution hatten sich die Arbeiterinnen und Arbeiter eine politische Gleichberechtigung erobert. Nichts lag nun näher als auch auf wirtschaftlichem Gebiet eine Art «Gleichberechtigung» zu fordern. Neben dem Achtstundentag und Lohnerhöhungen erwarteten sie ein Ende der autokratischen Despotie durch die Betriebsleitung. In allen Werken wurden Fabrikkomitees gewählt, welche die gesamte Belegschaft ausser der Betriebsleitung repräsentierten. Der eigenmächtige Rauswurf besonders repressiver Chefs war eine der ersten Massnahmen der Belegschaften.9 Die Fabrikkomitees waren die eigentlichen Träger der Auseinandersetzung zwischen Arbeit und Kapital. Ihre Bedeutung wuchs im gleichen Masse, wie der Sowjet den engen Kontakt zu seiner Basis einbüsste.
Wenn die Fabrikkomitees, nachdem die Unternehmer ihre Betriebe im Stich gelassen hatten, notgedrungen zu den neuen Herren der Fabrik wurden und wenn sie dann die Sonderinteressen ihrer eigenen Fabrik verteidigten, entstand oft eine Konkurrenz um die ärmlichen Ressourcen, die für die Betriebe lebenswichtig waren.10 Solche Konflikte warfen das Problem von Koordination und Zentralisierung auf. Während die in den Fabrikkomitees organisierten Arbeiter_innen lediglich eine zentrale Verteilung der Ressourcen anstrebten, gleichzeitig aber die alleinige Entscheidung in allen die Fabrik betreffenden Angelegenheiten beanspruchten,11 hatte Lenin ganz andere Vorstellungen. Im März/April 1918 forderte er «die unbedingte Unterordnung der Massen unter den einheitlichen Willen der Leiter des Arbeitsprozesses». Diese unbedingte Unterordnung «unter den Willen des Sowjetleiters, des Diktators» sei eine absolute Notwendigkeit für den Erfolg der «Arbeitsprozesse, die nach dem Typus der maschinellen Grossindustrie organisiert werden». Es gelte, «die stürmische, wie Hochwasser im Frühjahr über die Ufer brandende Versammlungsdemokratie der werktätigen Massen mit der eisernen Disziplin während der Arbeit, mit der unbedingten Unterordnung unter den Willen einer Person, des Sowjetleiters, während der Arbeitszeit zu vereinigen.»12

«Sowjetleiter» statt «Versammlungsdemokratie»

Nach der Februarrevolution hatten die Arbeiter die verhasstesten Chefs als Zeichen besonderer Schmach mit einem Sack über dem Kopf in der Schubkarre aus dem Betrieb gekarrt.13 Ein Jahr später kehrten diese als «Sowjetleiter» zurück, auf Geheiss der bolschewistischen Führer und ausgestattet mit diktatorischen Vollmachten. Was Lenin und Trotzki im Frühling 1918 anstrebten, war nichts weniger als die Beseitigung der im Laufe der Revolution entstandenen Strukturen von Arbeitermacht in den Betrieben und Soldatenmacht in der Armee. Bereits in der ersten Hälfte des Jahres 1918, beim Aufbau der Roten Armee, wurde die Wahl der Offiziere durch die Soldatenräte abgeschafft. Die früheren Offiziere und Generäle wurden als «militärische Spezialisten» wieder eingesetzt.14 Ende März 1918 bezeichnete Trotzki das Wahlprinzip in der Armee als «politisch zwecklos».15 In der gleichen Rede forderte er auch die «Selbstbeschränkung der kameradschaftlichen Initiative», um «dem Techniker, dem Spezialisten, der mit bestimmten Kenntnissen ausgerüstet ist» Platz zu machen.16 Trotzki ging sogar soweit, die «Militarisierung der Arbeit» zu propagieren.«Die Grundlage der Militarisierung der Arbeit wird auf den Formen staatlichen Zwanges gebildet, ohne die die Ersetzung der kapitalistischen Wirtschaft durch die sozialistische für immer nur leerer Schall bleiben wird», verkündete er auf dem III. Kongress der Gewerkschaften Russlands im April 1920.17
Statt auf «Versammlungsdemokratie» und «kameradschaftliche Initiative» setzten die Führer der Oktoberrevolution – um die eigene Macht zu sichern, die sie weder aus den Händen geben noch mit andern teilen wollten – lieber auf die bürgerlichen Techniker und Spezialisten, auf die früheren Offiziere und Generäle. Die damit verbundene Rückkehr zu den alten Zuständen und Hierarchien erfolgte im Namen des Sozialismus und einer Diktatur des Proletariats, die sich sehr rasch zu einer Parteidiktatur über das Proletariat entwickelte: Die geballte Macht des zentralistischen Sowjetstaates, die mit Hilfe der früheren Techniker, Beamten, Offiziere und Generäle, kurzum der gesamten Struktur des absolutistischen Staates, ausgeübt wurde.

Sitzung des Petrograder Sowjets 1917.

Sitzung des Petrograder Sowjets 1917.

Entmachtung der Fabrikkomitees

Die Verwandlung der Arbeiterinnen und Arbeiter in willenlose Befehlsempfänger_innen, die mit soldatischem Gehorsam die Befehle ihrer Vorgesetzten auszuführen hatten, ging nicht ohne Konflikte über die Bühne. Bereits im November 1917, kurz nach der Oktoberrevolution, erklärte ein Delegierter auf der Konferenz der Petersburger Fabrikkomitees: «Unsere Grundlage ist die Konzentration der Macht in den Händen der Sowjets und Rätedelegierten. Nicht alle Macht dem Rate [der Volkskommissare], sondern alle Macht den Räten, auch den Räten in Fabriken und Dörfern.»18 Um die Arbeitermacht in den Betrieben zu brechen, musste der Einfluss der Fabrikkomitees eingeschränkt werden. Die Gewerkschaften waren in Russland traditionell schwach entwickelt. Als sie sich im Laufe des Jahres 1917 in kürzester Zeit auszubreiten begannen, entstand bald einmal eine Rivalität zu den Fabrikkomitees, die unabhängig von den Gewerkschaften den Kampf anführten.
Die sechste Konferenz der Petersburger Fabrikkomitees im Februar 1918 beschloss ihre völlige Verschmelzung mit den Gewerkschaften.19 Obwohl sie damit ihre Eigenständigkeit verloren, setzten sie der Beseitigung der Arbeitermacht in den Betrieben weiterhin Widerstand entgegen. An einer Gouvernementskonferenz Ende November 1918 erklärte ein Arbeitervertreter: «In einer Instruktion heisst es, dass wir, die Arbeiter, die Betriebsleitung nicht in unsere Hände nehmen könnten, da wir noch nicht gelernt hätten, die Leitung zu übernehmen; doch wir lernen an der Sache. Die Komitees haben eine Meinung, bei der sie bleiben sollten. Wir lassen den Gedanken nicht zu, dass die Betriebsleitungen uns von der Leitung ausschliessen.»20 Die Fabrikkomitees blieben bei ihrer Meinung – die Macht jedoch hatten andere und Möglichkeiten zu kollektivem Widerstand waren kaum mehr vorhanden. Dennoch dauerte das eigenmächtige Eingreifen der Fabrikkomitees in die Leitung der Unternehmen an bis zum 3._Gesamtrussischen Gewerkschaftskongress im April 1920, der in seiner Resolution den Fabrikkomitees kategorisch verbot, sich in die Angelegenheiten des Unternehmens einzumischen.

Triumph des Sowjetstaates über die Revolution

Ende 1920 schien die neue Staatsmacht in Russland gefestigt: Die Fabrikkomitees waren in die Gewerkschaften integriert und hatten ihren Widerstand aufgegeben, die Gewerkschaften funktionierten als verlängerter Arm – als «Transmissionsriemen» (Lenin) – des Staates, ausser der Regierungspartei waren alle politischen Parteien als «konterrevolutionär» gebrandmarkt und verfolgt worden, der Bürgerkrieg war zu Ende. Da geschah das Unfassbare: Am 23. Februar 1921 traten die Arbeiter der Trubotschnij-Werke in den Streik. Am nächsten Tag demonstrierten zweitausend Arbeiter in den Strassen von Petersburg. Auf die Geschehnisse in Petersburg aufmerksam geworden, schickten die Kronstädter Matrosen eine Delegation in die ehemalige Hauptstadt.
So nahmen jene Ereignisse ihren Lauf, die als «Aufstand von Kronstadt» in die Geschichte eingegangen sind. Um die Festung Kronstadt zu stürmen, benötigte die Rote Armee mehrere Anläufe. Am 18. März 1921 war das Ziel erreicht, die letzten Kommunarden waren gefallen – wie einst ihre Vorgänger in Paris und zufälligerweise auf den Tag genau 50 Jahre nach der Ausrufung der Pariser Kommune, deren Jahrestag nun in Russland ausgiebig gefeiert wurde. Es war, wie wenn ein Mörder, um nicht erkannt zu werden, sich der Kleider des Ermordeten bemächtigte. Die Inanspruchnahme des Erbes der Pariser Kommune ist die eigentliche «Usurpation» der Bolschewiki – und nicht etwa, wie oft behauptet wurde, ihre Machtergreifung im Oktober 1917.
Vier Jahre waren vergangen seit Lenins «Staat und Revolution» und längst hatte der Staat über die Revolution triumphiert. Die Sowjetrepublik – könnte man in Ahnlehnung an Marx schreiben – bedeutete für die Arbeiterklasse weiter nichts als ihre Unterdrückung durch eine Republik, die sich der Sowjets als Fassade bediente und hinter der alle Merkmale des zentralistischen Staates verborgen waren: Armee, Polizei, Bürokratie, Richterstand – «Organe, geschaffen nach dem Plan einer systematischen und hierarchischen Teilung der Arbeit». Jedenfalls war der Sowjetstaat weit entfernt von jenen Formen gesellschaftlichen Lebens, die 50_Jahre vorher in Paris während zweier Monate erprobt worden waren und die Engels als die Diktatur des Proletariats bezeichnet hatte.
Sowohl die Revolution von 1905 als auch jene im Februar 1917 waren spontane, unvorhersehbare Arbeiteraufstände, ohne planmässige Führung durch eine politische Partei. Die Sowjets, die nach dem Vorbild des Petersburger Arbeiter-Delegiertenrates im Laufe des Jahres 1917 in ganz Russland entstanden, entwickelten sich rasch zu einem eigentlichen Arbeiter-, Bauern- und Soldatenparlament, worin die politischen Parteien miteinander wetteiferten. Welchen weiteren Verlauf die russische Revolution genommen hätte, ohne die bolschewistische Machtergreifung nach dem Muster des bewaffneten Handstreichs durch eine disziplinierte Avantgarde, kann mit Sicherheit niemand wissen. Tatsache bleibt, dass die Ansätze von Selbstorganisation, die sich nach der Oktoberrevolution ausbreiteten, bereits nach wenigen Monaten einem Gesellschaftsmodell weichen mussten, das sich am Vorbild der hierarchischen Organisation und Arbeitsteilung der kapitalistischen Gesellschaft orientierte und das mit Hilfe der ehemaligen Beamten und bürgerlichen Techniker sowie der zaristischen Offiziere und Generäle durchgesetzt wurde. Die leninistische Avantgardepartei, die als klassische «Minderheit im Interesse der Mehrheit» ihre Diktatur ausübte, war der eigentliche Träger dieses Niedergangs der russischen Revolution. Die ganze Entwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts (die Militarisierung und Brutalisierung der bürgerlichen Gesellschaft, die gescheiterten Revolutionen im Anschluss an die beiden Weltkriege) trug entscheidend dazu bei, dass das in Russland erprobte Avantgardekonzept wie selbstverständlich zum Vorbild für alle andern Ländern wurde – und für viele Leute bis heute geblieben ist.

«Alle Macht den Räten, nicht der Partei» war die Losung des Kronstädter Aufstandes.

«Alle Macht den Räten, nicht der Partei» war die Losung des Kronstädter Aufstandes.

_______________
1 Karl Marx. Der Bürgerkrieg in Frankreich. Einleitung von Friedrich Engels zur Ausgabe von 1891.
2 Karl Marx. Der Bürgerkrieg in Frankreich. London, 30. Mai 1871.
3 Ebenda.
4 L. Trotzki. Die russische Revolution 1905. Berlin, 1923, S. 87.
5 O. Anweiler. Die Rätebewegung in Russland 1905-1921, Hamburg 1958, S. 94.
6 Ebenda, S. 98 ff.
7 Ebenda, S. 103.
8 Ebenda, S. 130 ff.
9 A.M. Pankratova. Fabrikräte in Russland. Frankfurt a.M., 1976, S. 166 ff. sowie David Mandel. Die Bewegung der Fabrikkomitees in der Russischen Revolution. In: D. Azzellini/I. Ness (Hrsg.). «Die endlich entdeckte politische Form» – Fabrikräte und Selbstverwaltung von der Russischen Revolution bis heute. Köln, 2012, S. 132 f.
10 Pankratova, a.a.O., S. 216.
11 Anweiler, a.a.O., S. 277.
12 W.I. Lenin. Die nächsten Aufgaben der Sowjetmacht, in: W.I. Lenin. Für und wider die Bürokratie – Schriften und Briefe 1917-1923, Hg. von Günther Hillmann, a.a.O., S. 48 ff.
13 Mandel, a.a.O., S. 133.
14 Anweiler, a.a.O., S. 287.
15 Leo Trotzki. Arbeit, Disziplin und Ordnung werden die sozialistische Sowjet-Republik retten. Nach einer Rede Leo Trotzkis auf der Städte-Konferenz der Russischen Kommunistischen Partei in Moskau am 28. März 1918. Berlin, 1919, S. 22.
16 Ebenda, S. 12.
17 L. Trotzki. Terrorismus und Kommunismus – Anti-Kautsky, Hamburg 1920, S. 116.
18 Mandel, a.a.O., S. 149.
19 Pankratova, a.a.O., S. 234.
20 Ebenda, S. 258.

Dieser Beitrag wurde unter Avantgarde, Debatte Nr. 24, Neue Linke veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *