Leugnung der Schoah… und der Nakba

Interview mit Gilbert Achcar*
aus Debatte Nummer 14 – Herbst 2010
Wer sich mit dem Nahostkonflikt beschäftigt, kommt nicht um die Frage herum, welche Bedeutung der Erinnerung an den jüdischen Völkermord zugemessen werden soll, die bis heute auch politisch instrumentalisiert wird. Gilbert Achcar zeigt, wie die jüdische und die palästinensische Katastrophe zusammenhängen. Er spricht zentrale Fragen an, die auf der einen und/oder anderen Seite tabuisiert werden. (Red.)

Gilbert Achcar hat den Libanon 1983 verlassen, als Israel den ersten grossen Krieg in seinem Land führte. Beinahe 30 Jahre später betont der Professor an der School of Oriental and African Studies in London, dass dieser brutale Krieg von Israel gegen die Palästinenser im Libanon zu einem Wandel in der Haltung der arabischen Welt zur Schoah führte. Der damalige israelische Ministerpräseident Menachem Begin1 verglich Jassir Arafat2 mit Hitler und die Feinde Israels mit den Nazis. Das habe die Schoah banalisiert und viele Menschen in der arabischen Welt dazu gebracht, Israel mit den Nazis zu vergleichen oder sogar zu behaupten, Israel habe die Schoah erfunden, um seine Politik im Nahen Osten zu rechtfertigen.

Gilbert Achcar beginnt sein Buch mit einem Zitat aus dem Matthäus- Evangelium: «Was siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken in deinem Auge aber nimmst du nicht wahr?» In diesem Interview mit Yedioth Ahronoth, dem ersten, das er jemals einer israelischen Zeitung gegeben hat, erklärt er: «Die Lehre aus dieser Parabel ist, wir sollten uns fragen, was mit uns nicht stimmt, bevor wir andere kritisieren. Die israelische Seite macht der arabischen Welt im Zusammenhang mit der Schoah eine Reihe von Vorwürfen ohne jegliche Selbstkritik. Doch die Parabel gilt natürlich auch für die Araber. Ich verteidige niemanden unkritisch. Ich denke, es ist wünschenswert, einen kritischen Blick auf seine eigene Gruppe zu werfen, bevor man die anderen kritisiert.»

Können Sie das genauer sagen?

Auf der arabischen Seite habe ich keinerlei Sympathie für das, was der Mufti von Jerusalem, Hajj Amin al-Husseini3, während dem Zweiten Weltkrieg getan hat. Ich denke zudem, die Leugnung der Schoah in der arabischen Welt ist abwegig und irreführend, sie schadet der Sache des palästinensischen Volks. Aber was die israelische Seite betrifft: Wie kann man die Leugnung der Schoah in der arabischen Welt kritisieren, wenn Israel seinerseits die palästinensische Nakba leugnet?

Ich vergleiche keineswegs die Vertreibung der Palästinenser von 1948 mit der Schoah. Die Schoah war ein Völkermord, eine viel grössere Tragödie als das Leiden der Palästinenser seit 1948. Doch die Schoah wurde nicht durch die Araber oder Palästinenser verursacht, wogegen Israel für die Nakba verantwortlich ist. Israelische Historiker haben es bewiesen. Dennoch leugnet Israel weiterhin seine historische Verantwortung für diese Tragödie. Die frühere Aussenministerin Tzipi Livni hat beim UNOGeneralsekretär gegen die Verwendung des Begriffs Nakba protestiert, der auf Arabisch Katastrophe bedeutet. Das ist, wie wenn man dagegen protestieren würde, dass Israel den Begriff Schoah verwendet.

In meinem Buch verurteile ich die palästinensischen und arabischen Leugner der Schoah, die heute zahlreicher sind als vor 30 oder 40 Jahren. Die Palästinenser und Araber, die behaupten, die Zionisten hätten die Schoah erfunden, um ihre Politik zu rechtfertigen, reagieren auf die Verwendung der Schoah durch Israel für seine eigenen Zwecke. Es ist eine dumme Reaktion. Ich glaube, die Leugnung der Schoah ist der Antizionismus der Dummköpfe. Aber diese Personen leugnen ein historisches Ereignis, bei dem ihr eigenes Volk keine Rolle gespielt hat. Im Gegensatz wiegt die Leugnung der Nakba durch Israel weitaus schwerer, weil Israel für diese Katastrophe verantwortlich ist. Sie war ein entscheidendes Moment bei der Gründung des israelischen Staats. Andere Länder sind unter ähnlichen Bedingungen entstanden, aber es ist notwendig, die historische Realität und Verantwortung zu anerkennen. Die heutige Unterdrückung der Palästinenser verschärft die Situation.

In Ihrem Buch sagen Sie ganz offen, dass es zwar keinen Vergleich zwischen der Schoah und der Nakba gibt, aber einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen.

Der Zusammenhang ist offensichtlich. Ohne die Schoah und den Siegeszug der Nazis hätte das zionistische Projekt nicht verwirklicht werden können. Wenn man die Einwanderung nach Palästina vor 1933 betrachtet und sieht, wie diese nach dem Ausbruch der Aufstände von 19294 eingebrochen ist, wird klar, dass ohne dieses schreckliche Phänomen des Nationalsozialismus und entfesselten Antisemitismus in Europa die massive Auswanderung nach Palästina, auf deren Grundlage der israelische Staat geschaffen wurde, nicht stattgefunden hätte. Hitlers Machtergreifung und die Ereignisse während dem Zweiten Weltkrieg haben der zionistischen Idee eine bisher unbekannte Legitimität verliehen. Vor dem Aufstieg der Nazis war der Zionismus in der jüdischen Gemeinschaft in der Minderheit. Hinzu kam die Unehrlichkeit der westlichen Welt, welche die jüdischen Flüchtlinge nicht aufnehmen wollte.

Gewisse israelische Professoren behaupten, die Palästinenser seien für die Schoah mit verantwortlich, weil sie sich wehrten und von den britischen Kolonial-herren eine Begrenzung der jüdischen Einwanderung nach Palästina verlangten. Sie hätten damit Hunderttausende Juden an der Einwanderung gehindert und der Vernichtung durch die Nazis ausgeliefert. Doch dieses Argument steht auf wackligen Beinen. Mit welchem Recht kann man den Palästinensern vorwerfen, sich dagegen zu wehren, dass auf ihrem Land ein fremder Staat entstehen soll, und dabei vergessen, dass die britische Regierung die Begrenzung der jüdischen Einwanderung in Palästina hätte verbinden können mit der Aufnahme jüdischer Flüchtlinge im eigenen Land oder in Gebieten des riesigen englischen Kolonialreichs?

Denselben Vorwurf könnte man an die USA und die anderen Länder aus der ganzen Welt richten, die 1938 auf Einladung von Präsident Roosevelt an der Konferenz von Evian5 teilgenommen haben und sich weigerten, jüdische Flüchtlinge aufzunehmen. Sie sind für die Schoah mit verantwortlich, nicht die Palästinenser. Die Schoah hat die Bedingungen geschaffen, um das zionistische Projekt zu verwirklichen. Das konnte nicht ohne Gewalt geschehen. Die gewalttätige Umsetzung des zionistischen Vorhabens hat zur Nakba geführt.

Beruhte die Zusammenarbeit gewisser arabischer Parteien mit den Nazis auf gemeinsamer Ideologie, oder war es politische Taktik auf der Basis der Idee, dass der Feind meines Feindes mein Freund ist?

Bei Mufti al-Husseini war es offensichtlich eine Mischung aus politischem Opportunismus und ideologischer Wahlverwandtschaft mit dem Antisemitismus. Der Mufti teilte nicht das politische, soziale und wirtschaftliche Weltbild der Nazis. Aber der Hass auf die Juden und die Briten war ein gemeinsamer Nenner zwischen ihm und den Nazis. Er war nicht wirklich ein Nazi, aber er arbeitete mit ihnen zusammen. Sein Judenhass traf sich mit dem Antisemitismus der Nazis.

Wie erklären Sie sich den warmen Empfang des Muftis in der arabischen Welt nach dem Zweiten Weltkrieg?

Es ist ein Mythos, dass der Mufti in der arabischen Welt begeistert gefeiert wurde. Die Palästinenser haben ihn als einen ihrer Anführer betrachtet, der von seinen Feinden – den Briten und der zionistischen Bewegung – verfolgt wurde. Doch sein tatsächlicher Einfluss in der arabischen Welt war sehr begrenzt, selbst während des Kriegs. Der Mufti weilte in Berlin und Rom und forderte die Palästinenser und Araber dazu auf, sich der deutsch-italienischen Achse und natürlich dem Kampf gegen den Zionismus anzuschliessen. Man schätzt, dass nur 6’000 Araber in verschiedene bewaffnete Einheiten von Nazideutschland eingetreten sind.

Doch in derselben Zeit haben 9’000 arabische Palästinenser auf der Seite Grossbritanniens gekämpft. Eine noch höhere Zahl von Arabern hat in den Alliierten Streitkräften gekämpft, darunter eine Viertelmillion Nordafrikaner in den Truppen von General de Gaulle. Der tatsächliche Einfluss des Muftis war also bescheiden. Heute hält man in der arabischen Welt nicht viel von ihm. Er steht als Symbol für die Niederlagen, die eintraten, bevor er nach Europa ging: das Scheitern des Aufstands in Palästina und der Revolution gegen die Briten im Irak.6

Warum wird dem Mufti in Israel dennoch so viel Aufmerksamkeit gewidmet?

Israel und die zionistische Bewegung hatten zunächst keine Antwort auf das Argument der Palästinenser, die Schoah sei zwar schrecklich gewesen, aber sie seien nicht verantwortlich dafür und es gebe deshalb keinen Grund, dass sie für die Taten der Europäer zahlen müssten. Dann haben die Zionisten den Mufti als Beweis dafür präsentiert, dass die Palästinenser für die Schoah mit verantwortlich seien. So ist die Erzählung entstanden, die Araber seien die Komplizen der Nazis gewesen, und der Krieg von 1948 die letzte Schlacht des Zweiten Weltkriegs gegen die Nazis. Aber diese Erzählung hält den Fakten nicht stand. Es ist reine Propaganda.

Aber nicht nur der Mufti hat mit den Nazis zusammengearbeitet. Viele Nazi-Verbrecher wurden als Flüchtlinge in arabischen Ländern aufgenommen. Mehrere arabische Parteien wie die Baath-Partei sind von der Nazi-Ideologie inspiriert.

Es gibt keine Beweise dafür, dass die Baath- Partei7 von Beginn an von den Nazis beeinflusst war. Auch der Versuch, den Parteigründer Michel Aflaq als Nazi darzustellen, beruht auf Propaganda. Das einzige scheinbare Beweisstück gegen ihn ist, dass er eine Kopie der französischen Übersetzung eines Buchs von Alfred Rosenberg8 hatte. Das ist, wie wenn man behaupten würde, alle, die ein Exemplar von Hitlers Mein Kampf zu Hause haben, seien Nazis. Doch wer ein Buch liest ist nicht unbedingt mit dem Inhalt einverstanden. Die irakische Baath-Partei von Saddam Hussein hat zwar antisemitische Argumente eingesetzt, aber ohne sich auf die Nazis zu beziehen.

Tatsächlich haben einige ehemalige Nazis in der arabischen Welt, in Ägypten oder Syrien, Zuflucht gefunden. Doch abgesehen von Alois Brunner,9 der nach Syrien flüchtete, findet sich unter ihnen kein wichtiger Nazi-Anführer der Vernichtungsmaschinerie. Aber warum wird der Vorwurf überhaupt an die Araber gerichtet, obwohl doch mit Israel befreundete Länder, allen voran die USA, Nazis aufgenommen und bei der Auswanderung von weitaus wichtigeren Verbrechern geholfen haben?

Schliesslich hat Israel selbst viel Geld von der Bundesrepublik Deutschland erhalten, von einem Staat, in dem es von Nazis wimmelte und sogar einige Nazis an der Regierung beteiligt waren. Der engste Berater von Bundeskanzler Adenauer,10 der als Freund und Financier von Israel gilt, hatte die Rassengesetze von Nürnberg geschrieben. Wenn man die Araber im Nachhinein als Nazis darstellen will, könnte man genau so gut ganz Lateinamerika, die USA und die BRD als Nazi-Länder darstellen.

Hat die fehlende Diskussion in der arabischen Welt über die Kollaboration mit den Nazis eine Aus-wirkung auf die Leugnung der Shoah in verschiedenen Teilen der arabischen und muslimischen Gesellschaften?

Die verschärften Spannungen zwischen Israel und den Arabern und Palästinensern haben in den letzten Jahren zu einer Radikalisierung der Positionen auf beiden Seiten geführt. Doch selbst die Hamas hat ihre Brigaden nie nach dem Mufti al-Husseini benannt. Es gibt auch keine Raketen oder Strassen, die seinen Namen tragen. Niemand interessiert sich für ihn. Der Held der Hamas ist Izz ad-Din al-Qassam.11

Die Leugnung der Schoah in der heutigen arabischen Welt beruht in erster Linie auf Unwissen. Im Gegensatz dazu handelt es sich im Westen um ein pathologisches Phänomen. In den westlichen Ländern handelt es sich um geistig gestörte, grundsätzlich antisemitische Personen. In der arabischen Welt ist die Leugnung der Schoah in gewissen, heute noch minderheitlichen Strömungen der öffentlichen Meinung das Ergebnis des Zorns und Frusts, den die israelische Gewalteskalation ausgelöst hat, die ihrerseits wiederum vermehrt mit einer Instrument-alisierung der Schoah einhergeht. Das begann mit der Invasion des Libanons im Jahr 1982. Menachem Begin hat die Erinnerung an die Schoah missbraucht, gerade auch innenpolitisch. Das hat die Leute in der arabischen Welt dazu geführt, auf die dümmste mögliche Weise zu antworten und zu sagen: Wenn Israel seine Politik durch den Bezug auf die Schoah rechtfertigt, muss es sich um eine Übertreibung oder Erfindung der Propaganda handeln. Je mehr die Gewalt zunimmt, desto mehr sind solche Reaktionen vorzufinden, denn es handelt sich um eine symbolische Herausforderung, nicht um etwas, das tiefer geht.

Sie behaupten auch, dass die Araber, die Israel mit den Nazis vergleichen, auf den israelischen Vergleich zwischen den arabischen Anführern und Hitler reagieren.

Die Neigung, überall Nazis zu sehen, führt zu deren Banalisierung. Hitler ist eine derart negative historische Figur, dass es absurd ist, Mahmud Ahmedinejad mit ihm zu vergleichen. Man kann vom iranischen Präsidenten halten, was man will, aber in seinem Land gibt es keine Konzentrationslager, und er führt keinen Völkermord durch. Der Iran ist eine von politischen Konflikten durchzogene Gesellschaft, keine totalitäre Gesellschaft wie Nazideutschland. Die Israeli sehen Hitler überall: Nasser,12 Saddam Hussein, Arafat, Nasrallah. Wen wundert es, dass die Araber es ihnen nachmachen? Das sind natürlich politische Übertreibungen, die nichts bringen.

Wie lassen sich die vielen Hindernisse aus dem Weg räumen, wenn auf der arabischen Seite die israelische Empfindlichkeit betreffend die Schoah nicht respektiert wird?

Diese Empfindlichkeit wird auf arabischer Seite verstanden. Man sollte die Araber nicht als einen einheitlichen Block betrachten. Natürlich gibt es Strömungen, die keine Sensibilität dafür aufweisen, aber das ist nicht die Mehrheitsmeinung. Nehmen wir zum Beispiel Arafat, der total verteufelt wurde. Immerhin hat die PLO in den 1970er Jahren einen ernsthaften Versuch begonnen, um dieses Problem zu verstehen. Als der französische Leugner der Schoah, Roger Garaudy,13 in der arabischen Welt mit allen Ehren empfangen wurde, hat Arafat verstanden, wie sehr dies der palästinensischen Sache schaden würde. Er wollte deshalb das Holocaust-Museum in Washington besuchen. Als die Museumsverwaltung ihm keinen seiner Funktion entsprechenden Empfang bereiten wollte, fühlte er sich beleidigt und sagte ab. Er hat aber das Anne-Frank- Haus in Amsterdam besucht. Doch ausser in Israel hat die Presse kaum darüber berichtet. Personen wie Edward Said14 oder Mahmud Darwish15 verstehen die israelische Sensibilität gegenüber der Schoah sehr gut. Ich verspreche Ihnen, wenn Israel sich gegenüber der arabischen Welt und den Palästinensern anders, ja friedlich verhalten würde, dürften diese in den letzten Jahren zunehmend aufgetretenen Phänomene sehr rasch wieder verschwinden.

* Gilbert Achcar ist Autor des Buchs Les Arabes et la Schoah, Actes Sud Sindbad, 2009. Geboren in Senegal, ist er im Libanon aufgewachsen, 1983 nach Frankreich ausgewandert. Wir publizieren eine leicht gekürzte Fassung des Interviews in der israelischen Tageszeitung Yedioth Ahronoth vom 27. April 2010. Übersetzung und Fussnoten durch die Redaktion.

1 Menachem Begin (1913-1992), israelischer Ministerpräsident
1977-1983 und Friedensnobelpreisträger 1978.

2 Jassir Arafat (1929-2004), historischer Anführer der
palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und
Friedensnobelpreisträger 1994.

3 Hajj Amin al-Husseini (1893-1974), islamischer
Geistlicher und palästinensischer Nationalist, Grossmufti
von Jerusalem. Arbeitete mit dem Nazi-Regime
zusammen und hielt sich während dem Zweiten
Weltkrieg mehrere Jahre als Hitlers Gast in Deutschland
auf. Nach dem Krieg Asyl in Ägypten.

4 Im August 1929 spielten sich in Jerusalem aufstandsähnliche
Zustände ab und es ereigneten sich gewalttätige Auseinandersetzungen
zwischen Palästinensern und Juden, die durch den Kampf um den
Zugang zu den heiligen Stätten ausgelöst wurden. In nur einer Woche
verloren in Palästina 133 Juden und 116 Palästinenser ihr Leben.

5 Die Konferenz in Evians-les-Bains am französischen
Ufer des Genfersees fand am 6. bis 13. Juli 1938 statt
und beschäftigte sich mit dem Problem der jüdischen
Flüchtlinge. Die Regierungsvertreter aus 31 westlichen
Ländern (darunter die Schweiz) konnten sich nicht einmal
zu einer gemeinsamen, offiziellen Verurteilung der Behandlung
der Juden durch das deutsche Nazi-Regime durchringen.

6 In den Jahren 1940-41 spitzte sich die Auflehnung
eines Teils der irakischen Eliten gegen den britischen
Einfluss bis zu militärischen Auseinandersetzungen
zu. Der Anführer der Revolte, Raschid Ali al-Gailani,
arbeitete mit dem Mufti von Jerusalem ebenso zusammen
wie mit Vertretern des Nazi-Regimes.

7 Die Baath-Partei existiert in einer Reihe von arabischen
Ländern; als eigentliche Staatspartei im Irak (bis zur
amerikanischen Invasion von 2003) und in Syrien. Gegründet
wurde die Partei 1940 in Damaskus.

8 Alfred E. Rosenberg (1893-1946),
führender Rassentheoretiker des
Nationalsozialismus und Kriegsverbrecher,
wurde im Nürnberger Hauptprozess gegen
die Nazis zum Tode verurteilt.

9 Alois Brunner (geb. 1912) war einer
der wichtigsten Mitarbeiter Adolf Eichmanns
bei der Realisierung der so genannten »Endlösung
der Judenfrage»; verantwortlich für die Deportation
von über 100’000 Juden.

10 Gemeint ist Hans Josef Maria Globke (1898-1973),
Jurist und Ministerialrat im Nazi-Regime. Er wurde unter
Konrad Adenauer 1953 zum Staatssekretär im Bundeskanzleramt
ernannt und erhielt 1963 das Grosskreuz des Verdienstordens der
Bundesrepublik Deutschland. Die Schweiz, wo er sich nach der Pensionierung
niederlassen wollte, verweigerte ihm die Einreise.

11 Izz ad-Din al-Qassam (1882-1935), islamischer Geistlicher unter
dem britischem Kolonialmandat in Palästina, gründete 1930 die militante
Untergrundorganisation «Schwarze Hand» und starb 1935 in einem
Feuergefecht mit der britischen Polizei.

12 Gamal Abdel Nasser (1918-1970), führender Vertreter
des Panarabismus, ägyptischer Staatspräsident 1954-70.

13 Roger Garaudy (geb. 1913), ehem. Mitglied des
Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Frankreichs
(1970 aus der KPF ausgeschlossen), konvertierte
1982 zum Islam und gilt heute als Holocaust-Leugner.

14 Edward W. Saïd (1935-2003), renommierter
Literaturwissenschaftler palästinensischer Herkunft
an der Columbia University, galt als einer der wichtigsten
Fürsprecher für die Rechte seines Volks in den USA.

15 Mahmud Darwish (1941-2008), palästinensischer
Dichter, dessen Werke in mehr als 20 Sprachen vorliegen.

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