Editorial aus Debatte Nummer 9 – Sommer 2009

Am G20-Gipfel in London vom 2. April haben die Wirtschaftsmächte den Internationalen
Währungsfonds (IWF) und die Weltbank beauftragt, die Krise zu bekämpfen. Ausgerechnet die Brandstifter sollen das Feuer löschen. Denn die Strukturanpassungspolitik, die sie den Ländern des Südens aufzwingen, ist für
die globale Rezession mitverantwortlich (siehe den Beitrag von Peter Streckeisen).
Seit bald 10 Jahren wird unter Federführung der Weltbank ein gigantischer statistischer
und propagandistischer Aufwand betrieben, um uns glauben zu machen, dass Hunger und
Armut dank der Liberalisierung der Märkte zurückgehen (siehe den Beitrag von Hanspeter Gysin). Doch wegen der globalen Rezession fallen die fragwürdigen Indikatoren der Milleniums-Entwicklungsziele heute in den roten Bereich. Aus den Milleniumszielen wird zusehends ein Milleniumsdesaster. Dennoch soll dieselbe Politik weitergeführt werden: Strukturanpassung an die kapitalistische Globalisierung
im Grossen und Förderung unternehmerischen Handelns im Kleinen – zum Beispiel
durch Mikrokredite (siehe den Beitrag von Gerhard Klas). Dabei wurde die eigentliche Idee von Entwicklung, die den einzelnen Ländern und Regionen eigenständige Wege zugestand, schon lange beerdigt. Das Kapital toleriert keine freien Räume mehr, in denen es sich nicht maximal verwerten kann. Die NGO, die sich an den Programmen der Weltbank beteiligen, ohne den Kapitalismus in Frage zu stellen, werden selbst zum Instrument der globalen Propaganda. Ohne neue Verbindungen sozialer
Kämpfe und Bewegungen aus Süd und Nord wird es keine Welt ohne Armut und Hunger
geben.
Die Redaktion

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