Editorial aus Debatte Nummer 4 – März 2008

21 Milliarden Franken hat die UBS bereits abgeschrieben. Ein Staatsfonds aus Singapur und ein „nicht genannter Investor aus dem !ahen Osten“ treten als Retter in der Not auf und stellen 13 Milliarden bereit. Verwaltungsratspräsident Marcel Ospel tritt trotzdem nicht zurück und vermag an der Aktionärsversammlung vom 28. Februar 2008 die wichtigsten Anträge durchzusetzen.

Angesichts solcher Ereignisse erfasst eine Mischung aus Schrecken, Empörung und Unverständnis die helvetische Öffentlichkeit. PolitikerInnen aller Parteien prangern das Versagen einzelner Wirtschaftskapitäne an. Ein furchtloser Unternehmer aus Schaffhausen nimmt den Kampf mit den „Abzockern“ auf und reicht eine Volksinitiative ein, um den Interessen der Aktionäre wieder mehr Geltung zu verschaffen. Die SP Schweiz betont nicht ohne Stolz, einen beträchtlichen Teil der Unterschriften gesammelt zu haben. Und führende Köpfe der Gewerkschaften wittern ihre Chance, wieder einmal Lektionen in nachhaltiger Unternehmensführung erteilen zu können.

Auch uns ist Marcel Ospel nicht besonders sympathisch, und wir sind durchaus dafür, dass „diese Halunken“, wie Jean Ziegler sie gerne nennt, „zur Rechenschaft gezogen werden“. Aber wir möchten durch einen etwas längeren Beitrag in dieser Nummer auch darauf hinweisen, dass die so genannte Subprime-Krise nicht in erster Linie auf die Arroganz und Unfähigkeit von Börsenmaklern und Konzernchefs zurückgeht, sondern in tiefer liegenden Widersprüchen des kapitalistischen Systems wurzelt. Nur wer die Gegenwart zu verstehen versucht, kann darauf hoffen, eine bessere Zukunft zu erkämpfen.

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