Editorial aus Debatte Nummer 13 – Sommer 2010

Editorial Steigende Mieten, immer mehr prestige- und renditeträchtige Grossbauprojekte, gleichzeitig immer weniger Genossenschaftswohnungen, dafür trendige Lofts und luxussanierte Altbauwohnungen. Stadtent-wickler, Investoren und Immobilienmakler betreiben in Schweizer Städte eine „Aufwertungspolitik“, die bloss einer finanzstarken Elite dient. Nicht nur im Zürcher Seefeld oder im Basler St. Johann werden Menschen aus ihren Quartieren verdrängt, die sich die teuren Mieten nicht mehr leisten können.

„Gentrifizierung“ hat sich zu einem neuen städtischen Mainstream entwickelt. Längst haben auch rotgrün regierte Städte die neoliberalen Grundannahmen von Standort- und Steuerwettbewerb übernommen. Daniel Mullis zeigt in seinem Beitrag aktuelle Gentrifizierungs-tendenzen am Beispiel des Berner Lorrainequartiers auf.

Der Kampf um die Stadt ist in vollem Gang, zumindest von Seiten der Mächtigen und Reichen. Doch es gibt ihn, den Widerstand: Letztes Jahr ist unter dem Motto „Recht auf Stadt“ in Hamburg eine Bewegung entstanden, die sich gegen die fortschreitende Privatisierung der Städte im Namen der Profitmaximierung und des Standort-wettbewerbs wehrt. Sie stellt die soziale Frage, die in den Städten heute auch eine Frage von Territorial-kämpfen ist. Auch in der Schweiz stehen Aktivistinnen für ein konsequentes „Recht auf Stadt“ für alle ein: Für das Recht, gemeinsam über die Nutzung des städtischen Raums entscheiden zu können, in einer Stadt, die von den BewohnerInnen nach ihren Bedürfnissen gestaltet wird und nicht nach den Interessen des Kapitals.

Die Redaktion

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