Die letzte Schlacht gewinnen wir…

David S.
aus Debatte Nummer 5 – Juni 2008
Rund um die Protestbewegungen der 68er spielten Studentinnen und Studenten – ob als Einzelpersonen oder in Verbänden organisiert – in Ländern wie Deutschland, Frankreich oder den USA eine wichtige Rolle. 40 Jahre danach sind linke Studierendenverbände – trotz Bildungs- und Sozialabbau – rar geworden. Zeit, dass sich das ändert.

Unter dem Motto «40 Jahre 68» fand Anfang Mai ein dreitätiger Kongress an der Humbolt-Universität Berlin statt. Organisiert wurde die Veranstaltung durch den der Linkspartei nahestehenden Sozialistisch-Demokratischen Studierendenverband (Die Linke.SDS). Insgesamt 1300 Personen, überwiegend aus Deutschland, aber auch aus Österreich und der Schweiz, waren anwesend.

Mehr als Hochschulpolitik!

An zahlreichen und thematisch vielfältigen Workshops und Podiumsgesprächen, aber auch im Rahmen persönlicher Begegnungen wurden Analysen und Forderungen bezüglich Bildungspolitik, aber auch zu allgemeinen Themen wie Imperialismus oder Demokratie ausgearbeitet. Vor allem in einem Punkt waren sich die meisten TeilnehmerInnen einig: Hochschulpolitik ist immer auch Gesellschaftspolitik! Denn die zahlreichen Missstände und Probleme, mit denen die Studierenden von heute konfrontiert werden, lassen sich alleine durch Hochschulreformen nicht lösen. Die teilweise massive Verteuerung des Studiums durch Abbau des Stipendienwesens oder der Erhöhung von Studiengebühren ist nur der bildungspolitische Auswuchs neoliberaler Politik, die beinahe alle Bereiche der Gesellschaft korrumpiert hat. Auch der zunehmende Einfluss von Privatkonzernen an den Universitäten und Fachhochschulen (Rüstungskonzerne in Frankreich, Pharmaunternehmen in der Schweiz, Automobilkonzerne in Deutschland), der Abbau «volkswirtschaftlich irrelevanter» Studiengänge, die zunehmende Privatisierung und Konkurrenz unter den verschiedenen Bildungsstandorten, all diese Probleme sind nicht nur Folgen verfehlter Bildungspolitik, sondern Folgen des Kapitalismus selbst. Die Zugangsbeschränkungen zum Masterstudiengang sind keine bildungspolitische Beliebigkeit, sondern reflektieren die soziale Selektion und das Konkurrenzdenken im Kapitalismus.

Kritische Wissenschaft

Neben einer politischen Mobilisierung gegen eben diese Missstände und der Ausarbeitung bildungspolitischer und gesamtgesellschaftlicher Alternativen zum Kapitalismus stand auch die Forderung nach einer kritischen Wissenschaft immer wieder im Zentrum der Debatte. Studierende – egal ob in der Rolle als StudentInnen, Lehrpersonen oder ForscherInnen – sollten sich demnach einzig und alleine dem Streben nach Wissen selbst verpflichtet fühlen, anstatt den Interessen und Forderungen von Wirtschaft und Politik nachzugehen. Gerade die Universitäten sollten auch dazu dienen, gesellschaftliche Verhältnisse kritisch zu hinterfragen und allenfalls auch zu bekämpfen. Dazu aber ist es notwendig, dass sich Studierende untereinander und zusammen mit anderen Teilen der Gesellschaft organisieren und vernetzen. Die flächendeckende Selbstorganisation der Studierenden innerhalb politischer Organisationen, die sowohl theoretische als auch praktische Arbeit leisten, ist und bleibt somit eines der Hauptziele für die kommenden Jahre.

Die letzte Schlacht gewinnen wir

Eine wirklich demokratische, kritische und zugleich für alle offene Universität ist im Kapitalismus nicht realisierbar. Die grundsätzlichen Fragen nach antikapitalistischen Perspektiven sind unter gewandelten Bedingungen bestehen geblieben. Die «letzte Schlacht» als Bezeichnung für die Überwindung des Kapitalismus – und damit auch der aktuellen Bildungspolitik – gilt es nach wie vor zu gewinnen.

Studierendenorganisation Schweiz!

In Erwägung dieser und vieler anderer Fragen haben Studentinnen und Studenten aus Basel beschlossen, auch in der Schweiz einen Studierendenverband zu gründen. Anders als der SDS in Deutschland, der sich nie klar von der Linkspartei distanziert hat (obwohl diese etwa in Berlin zusammen mit der SPD an Sozialabbauprojekten beteiligt ist), soll die Studierendenorganisation in der Schweiz parteipolitisch und organisatorisch unabhängig sein.

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